Sieben bayerische Schulen mit Europa-Urkunde 2020 ausgezeichnet

04.12.2020

Zusammen mit Kultusminister Prof. Dr. Michael Piazolo habe ich am 04.12.2020 sieben bayerische Schulen aus allen Regierungsbezirken im Rahmen einer Videogrußbotschaft mit der Europa-Urkunde 2020 ausgezeichnet und ihr Engagement gewürdigt.

Bayern liegt im Herzen Europas und besonders unsere junge Generation hat Europa im Herzen. ‚In Vielfalt geeint‘ – so lautet seit 20 Jahren das Motto der Europäischen Union. Wir sind stolz, dass so viele Schulen in Bayern den europäischen Gedanken leben und die Zukunft von Europa kreativ mitgestalten. Ein besonderes Kompliment geht an die Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte der Preisträgerschulen, die sich so vielfältig engagiert und in besonderer Weise für ihr Europa eingesetzt haben. Sie sind überzeugte Botschafter des Jahrhundertprojektes Europa für Frieden, Freiheit und Demokratie! 

Kultusminister Michael Piazolo: „Die Gewinnerschulen leben den Europagedanken. Sie begeistern die junge Generation für europäische Werte durch Schulpartnerschaften, Europaklassen oder Kooperationsprojekte. Interkulturelles Lernen und Völkerverständigung werden hier ganz großgeschrieben und sind Teil des Schulalltags. Ich gratuliere allen Gewinnern ganz herzlich zur Auszeichnung und danke für das großartige Engagement.“

1. Niederbayern: Grafen von Schaunberg Schule – Grundschule Julbach Die Grundschule Julbach in Niederbayern pflegt insbesondere bei Schullandheimaufenthalten in der Partnergemeinde Julbach/Mühlviertel in Oberösterreich den Kontakt mit der dortigen Schule. Sie beteiligte sich am europa- und weltweiten Programm „Wasserforscher“, in dessen Rahmen Themen rund um die Rettung eines virtuellen Wasserspeichers der Erde bearbeitet werden. Die teilnehmende Klasse aus Julbach wurde nationaler Sieger und durfte Deutschland auch beim Entscheid zum internationalen Sieger vertreten. Bereits fünf Mal wurde die Grundschule Julbach als „Umweltschule in Europa – internationale Nachhaltigkeitsschule“ zertifiziert. Gemeinsam mit einer Volksschule in Mining (Oberösterreich) wurde ein Vogelzugprojekt durchgeführt. Beide Klassen wurden zu „Botschaftern der Artenvielfalt“ ausgezeichnet. Im Rahmen eines Schullandheimaufenthalts im Dreiländereck wurde der tschechische Ort Horni Plana besucht und die Moldau als europäischer Strom kennengelernt. Zudem konnten die Themen Flucht und Vertreibung in diesem Grenzbereich nachvollzogen werden.

Die Schulkinder beteiligen sich zudem an der Weihnachtsaktion des Ortspfarrers zur Unterstützung des Waisenhauses in Sacueni (Rumänien) und packen für diese Weihnachtspäckchen. Als Dank der rumänischen Kinder erhalten die Kinder in Julbach selbstangebautes Obst aus Rumänien. Am Europatag findet eine „Europaausstellung“ im Foyer der Grundschule statt, für die die Kinder Plakate zu einzelnen Ländern basteln, europäische Künstler oder europäische Rezepte vorstellen.

 

2. Oberbayern: Gymnasium Bad Aibling

Das Gymnasium Bad Aibling hat sein europäisches Profil erweitert und mit Beginn des Schuljahres 2019/2020 in der 5. Jahrgangsstufe eine Europaklasse eingerichtet. Im Rahmen eines einstündigen Wahlunterrichts bekommen nun Schülerinnen und Schüler in den Jahrgangsstufen 5 und 6 die Möglichkeit, Basiskomponenten in anderen Sprachen (v.a. Englisch, Latein, Italienisch, Französisch) und interkulturelle Kompetenz zu erwerben.

Im Rahmen von Erasmus+ hat das Gymnasium Bad Aibling beim Projekt „Europe on Air“ mit fünf Schulen aus Frankreich, Italien, Ungarn, Portugal und der Türkei zusammengearbeitet. Die Partnerschulen bauten Schulradios auf und haben über diese auf Englisch über kulturelle Aspekte der Länder diskutiert sowie Podcasts und Hörrätsel erstellt. In Frankreich haben die Schüler einen Cook-and-meet-Workshop veranstaltet und vom Präsidenten der Maison de l´Europe de Provence in Aix-en-Provence wurde ihnen für ihre Verdienste eine Médaille d´honneur verliehen.

Beim Erasmus+-Projekt „Roots and Roads“ arbeitet das Gymnasium mit fünf Partnerschulen aus Amsterdam, Athen, Istanbul, London und Stockholm zusammen. Thematisches Ziel ist die Auseinandersetzung mit Migration in den jeweiligen Ländern. Eine weitere Teilnahme an Erasmus+ erfolgt beim Projekt „Arts for future“, bei dem in Anknüpfung an die Fridays for future-Bewegung das Thema „Nachhaltigkeit“ im Fokus steht. Mittels Kunst sollen die Schülerinnen und Schüler ihre Sorgen darlegen und auf grenzübergreifende Umweltprobleme aufmerksam machen. Die Schule arbeitet mit sechs Partnerschulen aus Frankreich, Spanien, Schweden, Kroatien, Griechenland und Deutschland zusammen und wird dabei eine koordinierende Rolle übernehmen.

Bereits seit dem Schuljahr 1995/1996 hat das Gymnasium einen bilingualen Zug im Fach Italienisch. Ab der 8. Jahrgangsstufe erhalten die Schülerinnen und Schüler Zusatzunterricht in Italienisch mit dem Schwerpunkt „landeskundliche Konversation“, in der 10. Jahrgangsstufe wird das Fach Geschichte zweisprachig unterrichtet. Seit Jahren pflegt die Schule einen Schüleraustausch mit Frankreich und – bereits seit 28 Jahren – mit Italien und organisiert jährlich für die 8. Jahrgangsstufen eine Sprachreise nach Großbritannien. Seit mehreren Jahren wird der Europatag mit fächerübergreifender Darstellung verschiedener Themen (u.a. mit Tänzen, Essen und Getränken, traditioneller Kleidung) für die 7. Jahrgangsstufe organisiert.

3. Oberpfalz: Staatliche Realschule Obertraubling Die Realschule Obertraubling verfolgt seit Jahren die Ausbildung eines europäischen Schulprofils und engagiert sich mit einer Vielzahl verschiedener Projekte für den europäischen Gedanken.

Besonders hervorzuheben ist die Teilnahme am Erasmus+-Projekt „An Experience with and for Refugees“ mit Partnerschulen aus Portugal, Spanien, Griechenland, Italien und Ungarn, bei dem zentrale Aspekte der Flüchtlingsthematik bearbeitet und dabei in verschiedenen Projekten und Schwerpunkten den Schülerinnen und Schüler eine intensive Möglichkeit zur Auseinandersetzung bietet. Durch den Austausch mit Jugendlichen anderer Nationen wird den Schulkindern hier ein vielfältiger Blick ermöglicht.

Seit vielen Jahren pflegt die Realschule zahlreiche Partnerschaften in das europäische Ausland. Sie hat in den vergangenen Jahren an mehreren eTwinning-Projekten mit verschiedenen Kooperationsschulen aus Spanien, Tschechien, Frankreich, Litauen, Italien, Polen, Rumänien und Finnland teilgenommen. Zudem pflegt sie einen regelmäßigen Schüleraustausch und gegenseitige Besuche des Lehrerkollegiums mit Dobrany (Tschechien) sowie einen Schüleraustausch mit einer spanischen Schule in Santander. Die Realschule fördert auf spielerische Weise die Auseinandersetzung der Schüler mit europapolitischen Themen durch Teilnahme am Planspiel „Cube – Your take on Europe“ oder durch das Brettspiel „Play your taxes“, das von der Realschule getestet wurde.

Zudem engagiert sich die Schule mit einer Vielzahl von Aktionen zu aktuellen Themen, die auch den europäischen Gedanken vertiefen. Es gab eine Plakataktion gegen Rassismus sowie eine Stolpersteinverlegung mit Schülersprechern. 2017 hat die Schule ein „Fest der Nationen“ ausgerichtet. In den Jahren 2015/2016 hat die Schule Flüchtlinge in Obertraubling unterstützt, sei es durch eine Hilfsgüterspendenaktion der Fachschaft, durch Mithilfe der Schüler bei der Vorbereitung der Ersteinrichtung oder durch Deutschkurse für die Geflüchteten durch Lehrer der Schule.

4. Mittelfranken: Psychologisch-Heilpädagogische Privatschule Regina Stein Nürnberg, Förderzentrum mit Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung e.V.

Das Private Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung Regina Stein beteiligt sich kontinuierlich an Projekten im Rahmen von „Erasmus+“. In den Jahren 2014 bis 2016 hat das Förderzentrum am Projekt „European Languages – key for European citizens“ teilgenommen. Aktuell läuft gemeinsam mit sechs Partnerschulen das Projekt „TEAM“. Ziele des Projekts sind Inklusion, Unterstützung der Lehrkräfte sowie Sprachförderung. In diesem Rahmen kommen Schüler/innen mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf (beispielsweise ADHS oder Taubheit) und deren Lehrkräfte aus Griechenland, Lettland, Polen, Portugal und Rumänien zusammen und arbeiten in gemischten, jahrgangsübergreifenden Teams.

Im Januar 2020 hat das Förderzentrum Regina Stein ein Treffen mit den Partnerschulen organisiert: Gemeinsam haben Schülerinnen und Schüler mit und ohne Förderbedarf sowie ihre Lehrkräfte eine Woche im Schullandheim in Vorra verbracht. Sie haben dort in gemischten Teams und weitgehend ohne Sprachkenntnisse der Muttersprachen der Partnerschulen mit den Lehrkräften in gemischten Teams zusammengearbeitet und den gesamten Tagesablauf gemeinsam gestaltet. Ergebnis des Projekts soll eine Homepage werden, auf der die Lehrerinnen und Lehrer ihre Einblicke, neue Lehrmethoden und Eindrücke der anderen Länder mit den Partnerschulen teilen.

5. Unterfranken: Main-Limes Realschule Obernburg Die Main-Limes Realschule Obernburg stärkt mit verschiedenen Initiativen den europäischen Gedanken, die politische Bildung wie auch die Werteerziehung. Im Rahmen von Erasmus+ arbeitet sie seit September 2018 mit Schulen aus Italien, den Niederlanden, Lettland, und Litauen zusammen. Die Schülerinnen und Schüler sollen im Rahmen dieses Projekts erkennen, wie sie in der Gesellschaft vernetzt sind, welchen Einfluss Medien und soziale Netzwerke haben, welche europäischen Werte auf dem Spiel stehen und wie man positive Veränderungsprozesse bewirken kann.

In den Jahrgangsstufen 7 bis 9 wird in der Main-Limes Realschule das Fach Geographie auch englischsprachig angeboten. Ergänzend zur Sprachkompetenz spielt das Thema Europa dabei eine zentrale Rolle. Jährlich finden für die Jahrgangsstufe 10 eine zweitägige Studienfahrt zum EU-Parlament nach Straßburg sowie für die 8. Jahrgangsstufe eine Sprachreise nach England statt. In Straßburg wird den Schülerinnen und Schülern die Teilnahme an einer Parlamentssitzung und die Begegnung mit Europaabgeordneten ermöglicht. Durch das Wahlfach Spanisch erweitert die Realschule ihr europäisches Profil und hat einen dauerhaften Schüleraustausch mit der spanischen Schule Asti Leku Ikastole in Portugalete (Spanien) etabliert, der mit der Teilnahme am Comenius-Projekt „Nutzen und Risiken sozialer Netzwerke“ begonnen hatte.

An der Auswahl des Bayeux-Calvados-Preises beteiligt sich jährlich eine Schülergruppe und befasst sich in diesem Rahmen mit der Wahrung der Pressefreiheit und der Demokratie.

6. Oberfranken: Christian-Sammet-Mittelschule Pegnitz Die Christian-Sammet-Mittelschule pflegt seit Jahren eine intensive Schulpartnerschaft mit einer Schule in Slany/Tschechien. Jährlich erfolgen gegenseitige Besuche, bei denen unterschiedliche Programme und Aktivitäten stattfinden, die zur Völkerverständigung beitragen. Dies können gegenseitige Besuche an den Partnerschulen selbst sein oder gemeinsame Klassenfahrten oder Schullandheimaufenthalte. Beispielsweise fand ein gemeinsames Treffen in Mödlareuth an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze statt. Beim Weihnachtsbesuch 2019 der tschechischen Schülerinnen und Schüler in Pegnitz fand ein gemeinsames Gespräch der tschechischen und deutschen Schülerschaft mit den beiden Bürgermeistern von Pegnitz und Slany statt. Eigens zu diesem Zweck war der Bürgermeister von Slany nach Pegnitz gereist. Die Lehrkräfte der beiden Schulen pflegen ihren Austausch insbesondere im Rahmen von gegenseitigen Lehrerhospitationen.

7. Schwaben: Berufliche Oberschule Lindau Die Berufliche Oberschule Lindau orientiert sich unter mehreren Aspekten am europäischen Gedanken. Sie ist am Erasmus+ Austauschprojekt: „Let´s share our investigation projects with Europe“ beteiligt und treibt in diesem Rahmen gemeinsam mit zwei Partnerschulen in Spanien und Portugal die Organisation, das Monitoring und die Präsentation von wissenschaftlichen Projektarbeiten voran. In diesem Rahmen sind bereits gegenseitige Besuche von und bei den Partnerschulen erfolgt, bei denen u.a. die unterschiedlichen Projekte der jeweils anderen Schülerinnen und Schüler vorgestellt wurden. Ein Fokus lag darauf, Präsentationsmöglichkeiten mit neuen Medien zu erlernen. In Deutschland wird der Schwerpunkt Marketingmaßnahmen, deren Kosten und das Monitoring sein. Durch diese interkulturelle Zusammenarbeit sollen unterschiedliche Sichtweisen und Arbeitsweisen sowie kulturell unterschiedlich beeinflusste Märkte kennengelernt werden. Die Berufliche Oberschule Lindau bietet in den Fächern VWL, Biologie und International Business Studies bilingualen Unterricht an. Bei Themen, wie z.B. „Sich auf dem internationalen Arbeitsmarkt erfolgreich bewerben“ oder „Culture in a box“ setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit anderen Kulturen auseinander und werden gleichzeitig auf ihre Zukunft vorbereitet, was ein ausgesprochenes Anliegen der Schule ist.