Gemeinsam mit den beiden Freisinger Landtagskollegen Pointner und Dr. Magerl habe ich mich kürzlich bei der Lebenshilfe Freising über neue Entwicklungen im Leben behinderter Menschen informiert. Auf Einladung von Monika Haslberger, der 1. Vorsitzenden der Lebenshilfe Freising, und des Geschäftsführers Franz Burger kamen bei dem regen Gedankenaustausch aber auch Probleme von Menschen mit Behinderungen zur Sprache.
Um sich die Größenordnungen bewusst zu machen erläuterte Burger die aktuellen Kennzahlen der Lebenshilfe Freising: Über 1300 Menschen würden von über 700 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betreut, was einen jährlichen Kostenaufwand von 28 Millionen Euro verursache. Die Lebenshilfe biete dabei Hilfen für behinderte Menschen vom Kleinkind bis zum Senioren an.
Größtes Projekt sei zurzeit Abriss und Neubau des Förderzentrums Fröbelschule an der Freisinger Gartenstraße, der in wenigen Wochen beginne, so Burger. Mit diesem Vorhaben sei man Vorreiter in der aktuellen Debatte um die Inklusion behinderter Menschen, d.h. deren möglichst volle Teilhabe am normalen gesellschaftlichen Leben: „Wir wollen damit die Forderungen der seit 2009 verbindlichen UN-Konvention über Rechte von Menschen mit Behinderung umsetzen. Daher wollen wir den Neubau im Jahr 2012 als Schule für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung eröffnen.“ Ein aktuelles Positionspapier der kirchlichen Förderschulträger und der Lebenshilfe in Bayern sowie eine Petition der Freisinger Lebenshilfe an den Bayerischen Landtag sollen dieses Engagement politisch bekräftigen. Tenor sei darin: „Alle Schulen müssen personell und materiell so ausgestattet werden, dass jedes Kind die seinem Förderbedarf entsprechende Bildung erhält.“ Diese integrative Bildung sei jedoch nicht zum Nulltarif zu haben, stellte Burger klar.
Ich kenne die Lebenshilfe schon so lange, dass ich dieses Projekt in guten Händen weiß. Außerdem bin ich u.a. mit dem Landtagskollegen Klaus Steiner (CSU) in ständigem engen Austausch auch im Landtag mit Herrn Burger. Jetzt zeigt sich, dass erfolgreiche Modelle, wie die Kooperation der Fröbelschule mit der Freisinger Grundschule St. Korbinian, fast ausschließlich auf dem freiwilligen Engagement einzelner Lehrer aufbaue.
Zur allgemeinen Finanzsituation berichtete Geschäftsführer Franz Burger von ersten Erfahrungen mit der neuen Zuständigkeit des Bezirks Oberbayern: Eine Verbesserung sei bei der Offenen Behindertenarbeit (OBA) festzustellen. Die OBA der Lebenshilfe habe dafür den Auftrag des Bezirks für umfassende Offene Hilfen auch für Körperbehinderte und Sinnesbeeinträchtigte erhalten. Die Angebote habe man beträchtlich erweitert, und auch die finanzielle Situation sei zufriedenstellend. „Was man von der Frühförderung absolut nicht sagen kann! Die erhebliche Unterfinanzierung durch den Bezirk hat schon jetzt ein sechsstelliges Defizit bewirkt. Das ist ein unhaltbarer Zustand“, so Burger. Darüber hinaus wurden Kürzungen des Bezirks Oberbayern beim Stellenschlüssel angekündigt. Die Position der Lebenshilfe Freising dazu ist, so Burger: „In der Hilfe für geistig behinderte Menschen gibt es kein wesentliches Einsparungspotential. Bei der eigentlichen Betreuungsleistung sind wir am Rand des Möglichen angelangt. Weitere Kürzungen betreffen daher direkt bestehende Mindeststandards. Darüber hinaus kann man bei Menschen mit sehr schweren Behinderungen eher von einer Unter- als Überversorgung sprechen. Burger bat uns, sich gemeinsam mit den Fachleuten Gedanken zu machen, aus welchen anderen finanziellen Töpfen dieser Missverhältnis zu decken sei.